Monatsarchiv für Juli 2010

Die Betriebe brennen aus – Von Burnout und anderen psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz

27. Juli 2010

Auch wenn es lange Zeit als eine Art „Modeerscheinung“ belächelt wurde, lässt sich die rasante Verbreitung des Burnout-Syndroms mittlerweile nicht mehr leugnen.
Burnout sowie weitere psychische Erkrankungen sind der Grund für jede dritte Invaliditätspension. Zudem haben sie  im Vorjahr zu zweieinhalb Millionen Fehltagen bei den aktiv Berufstätigen geführt – vor 20 Jahren belief sich die Zahl beinahe auf ein Drittel davon. Dasselbe gilt für die Dauer der Krankenstände, die heute oft bis zu 37 Tage umfassen.
Doch wie konnte es zu einer derart negativen Entwicklung kommen? Experten gehen von vielfältigen Ursachen aus, wie zum Beispiel die ständige Erreichbarkeit, der verschärfte Leistungsdruck, die erhöhte Verantwortung und die permanente Angst um den Job. Vor allem letzteres macht deutlich, dass die Wirtschaftskrise auch einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Verbreitung psychischer Erkrankungen geleistet hat.
Generell hat sich in der Arbeitswelt in den vergangenen Jahren ein Wandel vollzogen. Durch die Mechanisierung fand eine Umlegung von körperlichen auf psychische Belastungen statt – auch dies kann als weiterer Auslöser für den starken Anstieg gesehen werden. Daher sind Arbeitspsychologen  von der Universität Graz überzeugt, dass mit einer Verminderung der psychischen Erkrankungen im Arbeitszusammenhang nicht gerechnet werden kann.
Die Äußerungen der Überbelastungen sind vielfältig und unterschiedlich stark in der Ausprägung. Die Störungen reichen von einfachen Motivationsproblemen bis hin zu einem schweren Burnout-Syndrom, einer Depression oder Alkoholsucht. Viele scheinbar körperliche Beschwerden, wie etwa Rückenschmerzen oder Herzrhythmusstörungen, sind eigentlich auch psychosomatisch bedingt. Sie sind allerdings um einiges schwerer zu erkennen, was eine hohe Dunkelziffer vermuten lässt.
Vor allem Frauen leiden an seelischen Erkrankungen. Sie machten im Vorjahr immerhin Zweidrittel der 65.000 Arbeitnehmer aus, die wegen psychischer Probleme eine Krankschreibung benötigten. Doch auch im Rahmen der Pensionierung spielen seelische Leiden bei Frauen eine große Rolle. 40%  geben sie als Grund für eine Frühpensionierung an, damit stehen psychischen Erkrankungen bei Frauen an erster Stelle.  Warum vor allem Frauen von psychischen Krankheiten betroffen sind, sieht die Arbeitspsychologie vor allem in vier Hauptpunkten begründet:

•    Frauen sprechen offener über psychische Erkrankungen und leugnen diese   seltener als Männer.
•    Zudem werden ihnen psychische Erkrankungen von Ärzten viel schneller diagnostiziert.
•    Weiters arbeiten deutlich mehr Frauen in psychisch außergewöhnlich belastenden Dienstleistungsbereichen, wie etwa der Pflege.
•    Die Doppelbelastung durch Beruf und Haushalt für Frauen bis etwa zum 45. Lebensjahr ist ein zusätzlicher wichtiger Verstärker.

Was auch immer die individuellen Ursachen für eine psychische Erkrankungen sind, die Experten sind sich einig, dass die Betriebe dringend intervenieren müssen, um dem Problem Abhilfe zu schaffen. Eine Lösung ist unter anderem in einer verbesserten Pausenkultur zu suchen , bei der sich Arbeitnehmer ausreichend Ruhe gönnen dürfen, ohne als faul zu gelten. Weiters solle an der Arbeitsverteilung gefeilt werden, um unnötiges Konfliktpotential im Keim zu ersticken und Mobbing vorzubeugen.

Gesundheitsfördernde Maßnahmen werden aber neben den Unternehmen selbst auch von der Politik gefordert und ebenfalls die Notwendigkeit der betrieblichen Gesundheitsvorsorge, gezielte psychologische Beratungen sollen zudem in Hinblick auf Krankenstände und Frühpensionierungen präventiv wirken.
Im Rahmen einer Studie der Buisnessdoctors wurden zehn unterschiedliche Berufsgruppen bezüglich Burnout-Faktoren und Burnout-Risiken und ein branchenspezifischer Maßnahmenkatalog  zur Bekämpfung der Ursachen entwickelt.
Der Fokus liegt dabei dabei auf den wirtschaftlichen Faktoren der Burnout-Prävention.  Präsentismus, sprich, zur Arbeit gehen trotz Krankheit, kostet etwa 120 Milliarden Euro. Ziel der Präventionsmaßnahmen ist einerseits die Poduktivitätssteigerung bei gleichzeitig erhöhter Mitarbeiterzufriedenheit. Laut Studie ist allein durch Zufriedenheit der Mitarbeiter eine Produktivitätssteigerung von 30% zu erreichen.

Im Buch der Kulturen Gesprächssignale mitlesen können.

20. Juli 2010

Dem Gesprächspartner ins Wort zu fallen gilt als unhöflich und sorgt für einen unharmonischen Gesprächsverlauf. Daher sind die meisten Menschen stets darauf bedacht, ihr Gegenüber ausreden zu lassen. In den häufigsten Fällen gelingt den Gesprächspaaren auch ein mehr oder weniger geregelter „Schlagabtausch”, bei dem jeder zur richtigen Zeit zu Wort kommt.
Kleine verbale und nonverbale Hinweise des Redners signalisieren dem Zuhörer, wann er bereit ist für einen Rollentausch und wann das Gegenüber nur durch „hm” oder „ja” seine Aufmerksamkeit deutlich machen soll.
Doch funktioniert diese Technik mit jedem beliebigen Interaktionspartner?

Die Sprachwissenschafterin Xiaoting Li von der Universität Peking verglich Asiaten und Europäern dahingehend, wie sie ihre Gesprächsbeiträge beenden und stieß auf kulturelle Unterschiede. Als Untersuchungsgrundlage dienten ihr dabei interkulturelle Business-Verhandlungen. Ihre Ergebnisse zeigten, dass Europäer  vor allem sprachliche Hinweise einsetzen um das Wort zu übergeben. Sprachliche Strukturen sowie Sprachmelodie bereiten den bisherigen Zuhörer auf seinen Einsatz vor.
Das Mandarin-Chinesisch hingegen erlaubt in seiner Grammatik solche strukturellen Hinweise nicht. Die Chinesen setzen daher viel mehr auf Variationen in der Tonhöhe sowie auf Mimik und Gestik. Das Wechseln von einem ganz hohen auf einen sehr tiefen Ton deutet in China auf das Gesprächsende hin.
Will der Zuhörer schon vorzeitig das Wort ergreifen, signalisiert er dies durch einen aufgerichteten oder nach vorne gebeugten Oberkörper. Fühlt sich der Zuhörer in seiner Rolle wohl, lehnt er sich zurück.
Diese nonverbalen Signale in Gesprächen sind den Europäer zwar nicht fremd, sie unterdrücken diese aber viel mehr und bemühen sich stets um eine rein verbale Kommunikation.
Solche Unterschiede stellen in den Businessverhandlungen eine großer Herausforderung dar: im Europäischen gilt es, alle Sprachregeln zu beherrschen, um die subtilen Signale wahrnehmen zu können. Im Asiatischen ist man zu deutlich mehr Körpereinsatz gezwungen. Umso wichtiger ist es daher, dass man sich zwecks Globalisierung in der interkulturellen Kommunikation mit solchen Feinheiten vertraut macht. Hohe Aufmerksamkeit und ein bestimmtes Maß an Vorwissen sind essentiell dafür, dass aus anfänglichen Kommunikationsfehlern gelernt werden kann.

Es gilt also für unsere Verhandlungsführung Gespräche  genau zu analysieren und auf Kommunikationsfehler zu prüfen und mögliche Missverständnisse zu klären und ansprechbar zu machen.

Führung und Motivation- wer motiviert die Motivatoren?

19. Juli 2010

Unter Motivation oder Motiviertheit versteht man die Bereitschaft einer Person, sich intensiv und anhaltend mit einem Gegenstand auseinander zu setzen (vgl. Hasselhorn & Gold 2009, S. 103).

Auch wenn diese oder ähnliche Definitionen jedem geläufig sind, wird oft übersehen, dass Motivation nicht gleich Motivation ist. Es muss unterschieden werden zwischen intrinsischer („von innen her kommender“) und extrinsischer („von außen hinzugefügten“) Motivation. Bei ersterer beschäftigt man sich mit einer Tätigkeit einzig und allein der Tätigkeit wegen, die bei dem Ausführenden Interesse oder Neugierde weckt. Die extrinsische Motivation besteht aus Belohnung und Bestrafung, die ein bestimmtes Verhalten entweder verstärken oder vermindern.

Deci & Ryan postulierten 1985 die Selbstbestimmungstheorie. Diese setzt sich zusammen aus drei angeborenen Grundbedürfnissen, die sowohl die intrinsische als auch die extrinsische ansprechen. Es sind die Bedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit.

Die Folgen auf die Führungsmotivation sind gravierend und es drängt sich die Frage auf: Wer motiviert die Motivatoren? Laut einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG) steht es schlecht um das Engagement im mittleren Management.

Zu wenig Anerkennung, gekürzte Boni und mangelnde Wirksamkeit sind verantwortlich für die zunehmende Demotivation jener, die eigentlich für die Motivation der Mitarbeiter zuständig sind – besonders in Krisenzeiten ein schwieriges Unterfangen.

Zusammen mit der World Federation of People Management Associations (WFPMA) und dem Österreichischen Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeits-Zentrum (ÖPWZ) befragte die BCG 1300 Führungskräfte bezüglich aktueller Herausforderungen im mittleren Management. Der Titel der Studie lautet: “Creating a New Deal for Middle Managers”.

Vor allem die Personalentwicklung steht hierbei im Fokus der Kritik. Am häufigsten bemängelt werden die folgenden sechs Punkte:

  • Der Karriereplanung in den Unternehmen fehle es an Struktur (38 Prozent der Befragten)
  • Unangemessenes Verhalten ziehe bei vielen Arbeitgebern noch immer keine Konsequenzen nach sich (37 Prozent)
  • Die Vergütung sei nicht leistungsorientiert (35 Prozent)
  • Von Seiten der Führungskräfte gäbe es zu wenig Unterstützung (35 Prozent)
  • Die Führungsqualitäten vieler Vorgesetzter ließen zu wünschen übrig (32 Prozent)
  • die eigene Arbeit fände keine Anerkennung auf zwischenmenschlicher Ebene (32 Prozent)

Das Verhältnis von Top Managern zu Führungskräften auf der mittleren Hierarchieebene in einem Konzern ist oft 50 bis 200:7000. In Anbetracht dieser großen Zahl kann der Einfluss des mittleren Managements auf die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Es ist daher äußerst alarmierend, dass das Engagement des mittleren Managements in den vergangenen zwei Jahren um durchschnittlich 14 Prozent abgenommen hat. Diese Entwicklung wird vor allem mit den mangelnden Umsetzungsmöglichkeiten von Strategien begründet.

Die BCG-Studie beinhaltet Vorschläge dahingehend, wie das mittlere Management wieder motiviert werden kann, und zwar durch:

  1. Schaffung flacherer Hierarchien sowie Übertragung von mehr Verantwortung an das mittlere Management.
  2. Förderung von Entscheidungskompetenzen: nicht nur Verantwortung sondern auch Befugnisse für das mittlere Management sollen gesichert werden.
  3. Förderung von Führungskompetenzen: nur wenige Führungskräfte verfügen automatisch über diese, Schulungen sind daher besonders wichtig.
  4. Gemeinsame Gestaltung von Strategien: durch ihre Nähe zum Markt bemerken Führungskräfte der mittleren Ebene Veränderungen schneller.  Daher sollten sie an allen Diskussionen teilhaben, die sich um Visionen, Strategien und Werte drehen.

 

Die vier Anregungen aus der BCG-Studie zielen allesamt auf eine intrinsische Motivation (Kompetenz und Autonomie) ab.

Ist es also die intrinsische Motivation, die uns letzten Endes Zufriedenheit verschafft?

Herzberg sagt ja und beschreibt in seiner Zwei-Faktoren-Theorie Zufriedenheit und Unzufriedenheit als zwei völlig voneinander unabhängige Faktoren.

Unzufriedenheit wird seiner Meinung nach nur durch extrinsische Faktoren, wie beispielsweise Personalpolitik hervorgerufen. Durch Berücksichtigung dieser Faktoren könne lediglich Unzufriedenheit verhindert werden.

Zufriedenheit wiederum könne nur durch intrinsische Faktoren, wie beispielsweise Verantwortung und Aufstieg, erlangt werden.

Motivation entstehe demnach einzig und allein durch Faktoren, die sich auf das persönliche Wachstumsbedürfnis und auf den Arbeitsinhalt beziehen.