Kategorie 'coaching4you'

Hohe Arbeitsmotivation kann Krankenstandstage senken, besonders psychisch bedingte

Admin 12. Juni 2010

Was können Arbeitgeber beitragen?

Vor kurzem ist wieder die alljährliche Arbeitnehmer Krankenstandstagsstatistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger für das Vorjahr veröffentlicht worden und durch die Medien gegangen. Auffallend an den neuen Zahlen ist die Fortsetzung eines sich bereits in den letzen Jahren immer mehr abzeichnenden Trends: Die steigende Anzahl der psychisch bedingten Krankenstandstage. Alles in allem stolze 2,4 Millionen Fehltage wurden letztes Jahr bereits durch psychische Probleme verursacht. Bei einer insgesamt sogar leicht fallenden Zahl von jährlichen Krankenständen stieg die Zahl der psychischen Erkrankungen je 1000 ArbeitnehmerInnen jedoch von durchschnittlich 16,7 auf 21,3 – übrigens mit hohem Frauenanteil.

Psychisch bedingte Krankenstandstage müssen nun aber nicht gleich immer mit einer handfesten psychischen Erkrankung zu tun haben. Oft ist es ein in seiner Zusammensetzung schwer genau bestimmbares Gemisch, das zu einem als „psychisch bedingt“ zusammenfassbaren Fernbleiben eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin vom Arbeitsplatz führen kann. Was hier so gut wie immer eine wichtige Rolle spielt, ist ein weiterer im Arbeitszusammenhang gerne gebrauchter und – eben ganz ähnlich wie „psychisch bedingt“ – oft nicht sehr spezifisch verwendeter Begriff: Die Motivation. Genauer: Die Arbeitsmotivation.

Die Arbeitsmotivation ist de facto das am meisten mit Theorien bestückte Gebiet in der jüngeren Organisationsforschung. Klassiker auf dem Gebiet, wie z.B. die Herzbergschen Ausführungen zu Motivatoren und Hygienefaktoren oder die Erwartungs-Valenz-Theorie sind dementsprechend weithin bekannt. Doch wie kann man sich als Arbeitgeber die Ergebnisse der vielfältigen Forschungen zunutze machen, wie die MitarbeiterInnen in der Praxis tatsächlich besser motivieren und so letztlich auch ihre Krankenstandstage reduzieren?

Auf diese „Gretchenfrage“ vieler Führungskräfte und PersonalistInnen wirft nun eine neue Motivationstheorie aus den USA ein aufklärendes Licht: Die „Self-Determination-Theorie, kurz SDT, macht sich eine der wesentlichsten Aussagen der Motivationsforschung zu nutze, nämlich, dass Motivation immer eine intrinsische sowohl als auch eine extrinsische Komponente hat. Einerseits gibt es also durchaus psychische Voraussetzungen, die im nicht-arbeitsbedingten psychischen Innen- und Umfeld eines Mitarbeiters liegen und Krankenstandstage verursachen können. Ein/e MitarbeiterIn ist nicht arbeitsmotiviert, weil er/sie an einer psychischen Erkrankung wie z.B. einer Depression leidet, im schlechtesten Fall auch noch gepaart mit schwierigen Umständen in seinem/ihren privaten sozialen Umfeld. Er/sie bleibt dann aufgrund dieser psychischen Krankheit und der damit zusammenhängenden bzw. diese noch verstärkenden psychosozialen Umstände daheim, meldet sich krank, weil er/sie die Arbeit aufgrund der Krankheit einfach nicht mehr als interessant und befriedigend empfinden kann, nicht mehr über die Möglichkeit verfügt, motiviert und motivierbar zu sein.

Zum gleichen Ergebnis, nämlich einer hohen Anzahl von letztlich ebenfalls psychisch bedingten Krankenstandstagen, kann es aber genauso gut kommen, wenn die extrinsische Motivationskomponente in der Arbeit nicht stimmt. Die Arbeit bietet dem Mitarbeiter keinen Stimulus mehr, er entwickelt Widerwillen gegen die Arbeit, ihre Inhalte und die vorgegebenen Ziele oder ein so lähmendes Gefühl von Langeweile in der Arbeit oder aber auch das genaue Gegenteil, nämlich ein Gefühl der heillosen Überforderung durch die Arbeit. Die Arbeit kann einem solchen Mitarbeiter aus unterschiedlichen Gründen also nicht mehr genügend Anreize bieten, um aufgrund dieser mit dem – „extrinsisch bedingten“ – Arbeitsumfeld  zusammenhängender Voraussetzungen weiterhin regelmäßig zur Arbeit zu kommen. Stattdessen nützt er/sie lieber das in der jeweiligen Organisationskultur gerade noch tolerierte Ausmaß an Krankenstandstagen maximal aus, bleibt so oft daheim, wie es ihm/ihr ohne schlimme negative Konsequenzen von Seiten des Arbeitgebers möglich ist.

Schluss daraus: Wo der Arbeitgeber also bei schlecht motivierten und dadurch öfter erkrankenden MitarbeiterInnen am einfachsten und effizientesten ansetzen kann, ist die extrinsische Motivationskomponente.

Auf den Annahmen der „Self Determination Theory“ (SDT) basierend wurde nun in Kanada eine Motivationsskala entwickelt, die Arbeitsmotivation in mehrere Komponenten zerlegt misst und auf diese Weise die extrinsischen Motivationsanteile in einer für den Arbeitgeber aufschlussreichen Form erklärt.

Die zugrundeliegende Annahme der SDT sieht den Menschen als aktives, wachstumsorientiertes Wesen, das sich als ganzheitliches Selbst erleben möchte, kongruent eingebettet in ein soziales Umfeld. Das Streben der Menschen nach Wachstum unter diesen Voraussetzungen kann nun von der Umwelt behindert oder gefördert werden – eben auch und ganz besonders von seiner Arbeitsumwelt, sprich, von dem Ort, an dem ein Vollzeitmitarbeiter den Großteil seiner wachen Lebenszeit nun mal verbringt. Hierbei sind die folgenden von Seiten der Organisation steuerbaren Variablen besonders bedeutend:

1.) Die Wahrgenommene Unterstützung durch die Organisation – wie weit die Organisation den Mitarbeiter wertschätzt und sich um ihn kümmert, also der Mitarbeiter gesehen fast ein wenig wie ein Kind, das seine Eltern als mehr oder weniger führsorglich erlebt.

2.) Das Organisationsklima – wie MitarbeiterInnen sich von der Organisation behandelt fühlen, also wie sehr ihre Leistungen Anerkennung finden, sie ermutigt werden und Feedback für ihr Verhalten und ihre Ergebnisse bekommen, wie fair sie (im persönlichen Anlassfall, aber auch das Regelwerk betreffend) von der Organisation behandelt werden und wie viel Autonomie ihnen zugestanden wird.

3.) Das MitarbeiterInnen-Commitment, also deren Gefühl von emotionaler Bindung an die Organisation, gemessen auch daran, als wie hoch MitarbeiterInnen die emotionalen Kosten empfinden würden, die Organisation zu verlassen.

4.) Arbeitsplatzzufriedenheit – aufgeteilt in folgende Variablen: Zufriedenheit mit der Art der Arbeit, dem Gehalt und sonstigen Vergütungselementen, Aufstiegs- und Karrierechancen, Arbeitsbedingungen, Zufriedenheit mit Vorgesetzten und Kollegen und dem weiteren sozialen Umfeld in der Organisation, Arbeitsplatzsicherheit, geografische Lage des Arbeitsplatzes, individuell dem jeweils ausgefüllten Job beigemessener (Prestige-) Wert

5.) Arbeitsüberforderung – gemessen anhand des Auftretens von Rückzugsverhalten eines Arbeitnehmers, Hyperanspannung und -aufmerksamkeit, generalisierte Angst in und vor der Arbeit und dem Auftreten körperlicher Beschwerden.

7.) Mitarbeiterfluktuation– gemessen durch Fragen bezüglich der Absicht, die Organisation überhaupt zu verlassen oder aber auch, eine Stelle außerhalb der bisherigen Abteilung anzunehmen beziehungsweise eine neue Stelle innerhalb der derzeitigen Abteilung anzustreben.

Insgesamt ist das Festmachen davon, wie es mit einer solchen Latte an Voraussetzungen für bessere extrinsische Motivation von ArbeitnehmerInnen im eigenen Unternehmen bestellt ist, natürlich eine Vorgabe für ArbeitgeberInnen, die sich ganz schön „gewaschen“ hat. Doch muss ja nicht jedes Unternehmen gleich so perfekt sein und es anstellen wie die ganz großen, IBM zum Beispiel, die jährlich in einer unter allen MitarbeiterInnen weltweit auszufüllenden Arbeitszufriedenheits-Umfrage die meisten der oben genannten Punkte abzudecken versuchen und dann darauf aufbauende, sehr komplexe Langfristmaßnahmen für das gesamte Unternehmen aus den Ergebnissen ableiten. Oft genügt es für Führungskräfte oder Personalisten, die dem Phänomen des/r gut motivierten Mitarbeiters/in auf die Spur kommen wollen, wohl auch schon, einige der von der SDT-Work-Motivation-Skala benutzen Variablen im Kopf zu haben, wenn sie mit MitarbeiterInnen über ihre Motivationslage sprechen – und mögliche Ursachen von geringer Motivation oder von vielen, konkret etwas schwer erklärlichen Krankenstandstagen aufdecken möchten und letztlich gemeinsam mit dem/der betroffenen MitarbeiterIn bereinigen.

Zum Weiterlesen:

 Maxime A. Tremblay et al.: Work Extrinsic and Intrinsic Motivation Scale: Its Value for Organizational Psychology Research. Canadian Journal of Behavioural Science 2009, Vol. 41, No. 4, 213–226

OTS-Presseaussendung 20.05.2010 (www.ots.at)

Der Charismaindex- kann man Charisma messen?

Admin 3. Juni 2010

„Wir können Charisma messen“ Alex Sandy Pentland. Pentland leitet das MIT Human Dynamics Lab und beschäftigt sich mit der Auswertung von Kommunikationssignalen in Richtung Durchsetzungsfähigkeit. Seine Forschung über ehrliche Signale (näheres dazu auch in seinem Buch Honest Signals, MIT Press 2008) zeigt die Erkenntnis, dass emphatische Signale beim Gegenüber eine Veränderung auslösen.

Das Wort Charisma kommt ursprünglich aus dem griechischen und heisst Gnadengabe, gemeint ist eine Fähigkeit von Menschen, die einen geradezu magnetischen persönlichen Umgang mit anderen Menschen haben, sie bildhaft und emotional ansprechen, den Raum öffnen, mit Reden und Überzeugung mitreißen und faszinieren können. Angenommen Sie treffen auf einen Geschäftspartner mit sympathischer, fröhlicher Grundstimmung, diese Haltung und Einstellung färbt laut den Ergebnissen von Pentlands Team vom Massachusettes Institut of Technology ab. Er beweißt je erfolgreicher Menschen sind, desto energiegeladener und enthusiastischer sind. Sie sprechen mehr, hören mehr zu, widmen sich mehr den anderen und bringen auch die anderen dazu, sich von der Menge abzuheben. Unmittelbaren Konnex hat dies auf die Leistungsfähigkeit und Produktivität.

Noch ein Untersuchungsergebnis erstaunt: Erfolgreiche Personen sprechen wenig und hören genau zu, wenn Sie sprechen, haben Sie eine kräftige klare Aussprache, variieren gekonnt den Rhythmus und die Tonhöhe, setzen gezielt und empathisch ihre nonverbalen Signale und erreichen so Interesse beim Zuhörer, in dem Sie genau seine Bedürfnisse erreichen. Sie wirken vertrauenswürdig, sind spontan und gewinnen so von Anfang an Größe, Macht Einfluss und Zuspruch. Das Geheimnis liegt im Timing, in der Wiederholung, in der rhythmischen Kadenz, in der zum richtigen Zeitpunkt angehobenen Stimme, meint der Sozialpsychologe Ronald Riggio. Besonders für die Zusammenarbeit im virtuellen Raum scheint diese Erkenntnis wichtig gerade für die Beziehungsbildung. Begeisterungsfähigkeit und Emotionalität, Risikofreude und Aktionsorientierung zeigen sich charismatische virtuelle Führungskräfte

Zur Nachlese: Edward Baker, “When Teams Fail: The Virtual Distance Challenge,” www.strategy-business.com/li/leadingideas/li00026: Mark Buchanan, The Social Atom:Why the Rich Get Richer, Cheaters Get Caught, and Your Neighbor Usually Looks Like You (Bloomsbury USA, 2007) Tanzeem Choudhury, Matthai Philipose, Danny Wyatt, and Jonathan Lester, “ Malcolm Gladwell, Blink! The Power of Thinking without Thinking (Little, Brown, 2005) Art Kleiner, “Elliott Jaques Levels with You,” s+b, First Quarter 2001, www.strategy-business.com/press/article/10938: Karen Otazo, “On Trust and Culture,” s+b, Autumn 2006, www.strategybusiness.com/press/article/06311: Alex Pentland’s MIT Media Lab home page, http://web.media.mit.edu/~sandy/: “Remembering Mark Weiser,” 1999, www-sul.stanford.edu/weiser/index.html

Gesunde „Creativ Class“- Gesunde Wissensarbeit braucht Ambiente und Atmosphäre

Admin 23. April 2010

Wissensarbeiter sind kreativ, sind anders, leben eine hohe Leistungsorientierung, sind individuell. Durch ihren hohen Verdienst haben sie eine gute Kaufkraft. Sie sind mobil, kooperativ, kommunizieren schnell, sind vernetzt und gut informiert. Ihre Arbeitsbedingungen zeichnen sich durch hohe Arbeitsqualität aus. Ihre Arbeitsinhalte empfinden sie als interessant und wenig bis kaum repetitiv. Hohe Autonomie und Entscheidungsfreiheit vervollständigen das positive Bild.

Sind Wissensarbeiter deshalb auch gesünder?

Eine aktuelle Studie aus England kommt zu dem Schluss, dass dem eindeutig so ist . Wissensarbeiter fühlen sich gesünder als andere Arbeitskräfte und sind es auch. Ihr Gesundheitszustand hat dadurch umgekehrt auch nur selten negativen Einfluss auf ihre Arbeit. Gesundheitsförderliche Einflussfaktoren sind eine gesunde Arbeitsmotivation, mentale Stärke, Wohlbefinden und Spaß an Flexibilität, am Austausch, am Arbeiten und sich dabei entwickeln. Außerdem helfen gute Worklifebalance, gutes Selbst- und Zeitmanagement, hohe Kommunikationskompetenz, Erfahrung und Fachkompetenz, klare Zielverfolgung, Teamgeist und gute Vernetzungskompetenz. Für gesunde Wissensarbeit braucht aber nicht nur interessante Arbeitsinhalte und hohe persönliche Kompetenz, sondern auch ein gesundes Arbeitsumfeld. Ambiente und Atmosphären sind da besonders wichtig, wo die höchst komplexen und unterschiedlichen Arbeitsanforderungen an Wissensarbeiter aufeinandertreffen. Möglichkeiten für kreatives, konzentriertes, konzeptives, multimediales Arbeiten müssen einhergehen mit der Schaffung von Kooperationsräume sowie informellen Räumen zum Austauschen und Denken, und das alles möglichst unter ergonomischen Gesichtspunkten, gut beleuchtet und zum Wohlfühlen anregend . Ein negativer Zusammenhang zeigte sich hingegen bei Wissensarbeitern laut der UK-Studie – wenig überraschend – zwischen Gesundheit und hoher Arbeitsintensität, dem Gefühl, überarbeitet und mit zu großem Arbeitspensum überlastet zu sein. Besonders Arbeitsanforderungen, die eindeutig miteinander im Konflikt stehen, wo man also, egal, wofür man sich entscheidet, unweigerlich einen der beiden Ansprüche enttäuschen muss, irgendjemanden oder irgendeine Zielsetzung vor den Kopf stoßen, um der anderen Genüge tun zu können, werden als Stress verursachend und manchmal sogar gesundheitsschädigend empfunden.

Den Anforderungen durch Effizienz begegnen

Allerdings sind in der heutigen, mit immer komplexeren Anforderungen und Entscheidungsprozessen aufwartenden Arbeitswelt, und hier besonders im Arbeitsumfeld der Wissensarbeiter, gerade diese Art von konfligierenden Ansprüchen oft schon die Regel. Geistig zwar weniger anspruchsvolle und interessante, dafür aber entspannende und Sicherheit gebende Routinetätigkeiten werden immer weniger. Das Treffen schneller und konsequenzenbeladener Entscheidungen vor nicht vollständigem Informationshintergrund – und oft sogar mit dem Gefühl, nicht das nötige Fachwissen, die nötige Ausbildung und Erfahrung in allen zu einer komplexen Entscheidung gehörigen Wissensbereichen zu haben – wird hingegen zum Tagesgeschäft, mittlerweile nicht mehr nur von Top-Managern, sondern von allen Arten von Arbeitskräften in der Wissensindustrie. Wenn daher bei Wissensarbeitern bestimmte Krankheiten gehäufter auftreten, so sind das jene, die als Konsequenz einer so hoch komplexen und anspruchsgeladenen Arbeitsweise hervortreten, also die typischen Folgen von anhaltendem Stress wie Burnout oder Herz-Kreislauferkrankungen. Wie können Wissensarbeiter aber Präventionen gegen solche Krankheitsbilder, von denen sie besonders gefährdet sind, treffen? Einerseits, so stimmen verschiedene Studien überein, ist die persönliche Einstellung hier ein ganz wichtiger Schlüsselfaktor.

Drei Variable entscheiden

Das Vorhandensein der folgenden drei Variablen wurde z.B. als besonders gute Vorkehrung gegen eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes durch Arbeitsstress identifiziert : Hohe Arbeitsakzeptanz, ein hohes Aufmerksamkeitsniveau bei der Arbeit – also Konzentration auf das, was man gerade tut, statt die Gedanken in verschiedenste Richtungen abschweifen zu lassen und sich so dem Stress des „Zu Viel auf Einmal“-Gefühls auszusetzen. Und schließlich zählt außerdem ein strikt wertebasierendes Handeln als Grundlage des eigenen Arbeitens, sprich, man muss wirklich an den hohen Stellenwert, den Sinn, dessen, was man in der Arbeit tut, glauben, es muss mit den eigenen Werten übereinstimmen. Neben der inneren Einstellung zur Arbeit ist aber auch ein noch grundlegenderer, stabilerer Faktor entscheidend für die Art, wie jemand im Angesicht hoher Arbeitsbelastung mit seiner Gesundheit haushalten kann: Die eigene Persönlichkeitsstruktur. Besonders dem sogenannten „Persönlichkeitstyp A“ fällt es schwer, hohe Arbeitsanforderungen nicht mit Gesundheitseinbußen bezahlen zu müssen. Menschen von diesem Persönlichkeitstyp sind sehr kompetitiv und setzen sich daher selbst unter hohen Druck, wollen immer gewinnen, schneller und besser sein als die anderen. Typ A Menschen sehen sich auf diese Weise subjektiv eher unter Stress als andere, die eine möglicherweise gleich hohe Arbeitsanforderung ohne den ständigen zusätzlichen Druck des Nach-außen-Schielens bewältigen können.  Fragen wie „Sieht es gerade so aus, als würde Kollege X nun für den Preis / die Beförderung / den besonders hohen Bonus vorgeschlagen werden und nicht ich? Könnte ich das ändern, wenn ich noch mehr und schneller arbeite, noch innovativere Ideen habe …..?“ beschäftigen Typ A einfach zuviel und machen ihn stressanfällig.

Das PsyCap

Ein ganz aktuelles Konstrukt aus der Arbeits- und Gesundheitspsychologie beschreibt nun auch die ideale Zusammensetzung von Persönlichkeitsvariablen, über die jemand verfügen muss, um mit Arbeitsstress gut umgehen zu können und trotz hoher Arbeitsbelastung im Wissenszeitalter bei guter Gesundheit bleiben zu können. Genannt „PsyCap“, das psychologische Kapital, setzt es sich zusammen aus den folgenden persönlichen Ressourcen: Glaube an die eigene Schaffenskraft und Effektivität, Hoffnung, Optimismus und Widerstandskraft.

Menschen mit hohem psychologischem Kapital glauben also an sich selbst und fokussieren besonders auf positive Ereignisse und Begebenheiten, sowohl im Rückblick auf bereits Geschehenes als auch in ihrem Glauben an die Zukunft. Wenn sich Dinge positiv gestalten, Ziele erreicht werden und Wünsche in Erfüllung gehen, sehen sie die Ursache dafür häufig bei sich selbst, ihrem eigenen geschickten Planen, Denken und Handeln und baden bewusst im Erfolgserlebnis. Wenn allerdings negative Ereignisse eintreten, rechnen sie die eher äußeren Umständen zu und bewerten sie als nicht so wichtig, denken nicht so viel darüber nach, „tauchen einfach durch“.

Einfach gsund

Die mittlerweile also von den psychologischen und psychotherapeutischen Wissenschaften erforschten Zusammenhänge zwischen Wissensarbeit und Gesundheit bzw. Krankheit können nun auch in der Prävention und in der Rehabilitation zu guten Ergebnissen führen. Jemand, der die positiven Denk- und Einstellungsmuster kennt, welche gesundem stressresistentem Arbeiten in der Wissensindustrie zugrunde liegen, kann diese als persönliche Vorkehrungen bewusst einsetzen. Fällt das dem einzelnen schwer, so kann das Unternehmen seinen Arbeitnehmern hier helfend unter die Arme greifen.

Prinzipielle strukturelle Beiträge des Unternehmens zur Förderung positiver, PsyCap-fördernder Bedingungen können das Schaffen einer grundlegenden Vertrauenskultur im Unternehmen sein sowie das Vorhandensein strategischer Personalentwicklungsmaßnahmen, die abgestimmt sind auf die wachsenden Anforderungen der Zukunft und proaktiv Weiterentwicklung fördern, also die MitarbeiterInnen für ihre Erfolge loben und belohnen, ohne sie gleichzeitig gegeneinander auszuspielen. Individuell vom Unternehmen dem Arbeitnehmer für die „Psychohygiene“ zur Verfügung stellbare Möglichkeiten, die Stresskrankheiten vorbeugen können, sind für den einzelnen maßgeschneiderte Instrumente wie Coaching, das als persönliches Reflexionsfeld genützt werden kann und wo „PsyCap-Denken“ gelernt werden kann. Aber auch Selbstregulationstrainings, die einzeln oder in der Gruppe durchgeführt werden, sind probate Mittel, die ein Unternehmen seinen MitarbeiterInnen anbieten kann. Hierzu zählen z.B. Stressmanagement- und Entspannungstrainings, Meditation, Biofeedback und Autogenes Training . Sowohl der einzelne als auch das Unternehmen haben also immer zwei prinzipielle Möglichkeiten, um gesundheitsregulierende Maßnahmen – präventiv oder zur Rehabilitation bereits erfolgter Gesundheitsschäden der MitarbeiterInnen – zu treffen : Einerseits können problemfokussierte Lösungsmöglichkeiten gesucht werden, die zu strukturell-organisatorischen Änderungen im Unternehmen oder beim Handeln der MitarbeiterInnen führen. Schritte in diese Richtung verlangen eher nach plakativen, von außen unmittelbar sichtbaren Aktionen und Verändern. Andererseits können als Gegensatz zu den problemfokussierten Ansätzen emotionsbezogene Interventionen getroffen werden. Wissensarbeiter, die von Burnout oder Herz- Kreislauferkrankungen bedroht sind oder gar bereits eine solche Krankheit erfahren haben, müssen an ihren eigenen Gefühlen und Einstellungen arbeiten, nach Innen schauen. Neben den oben beschriebenen Instrumenten wie Coaching oder Selbstregulationstrainings ist hier dann auch eine umfassendere, ganzheitlichere Intervention angebracht, zum Beispiel eine Psychotherapie.

In den USA ist es bereits durchaus üblich, dass Unternehmen ihren MitarbeiterInnen hier gezielt psychotherapeutische Instrumente zur Verfügung stellen. Besonders verhaltenstherapeutische Maßnahmen werden gerne angeboten5. Bei der sogenannten kognitiv-behavioralen Therapie geht es dann oft um das Üben von Verhaltens- und Einstellungsänderungen, weg von der Leidensdruck-Spirale des Negativ-Bewertens, des Kontrollieren- und Verändern-Wollens – auf gut Wienerisch wohl dem „Jammern und Granteln über die unhaltbaren Zustände hier, gegen die jemand doch was tun sollt, gegen die ich mich vielleicht sogar auflehnen sollt“ – hin zu einem Geschehen-Lassen und Akzeptieren-Können, einem Positiv-Uminterpretieren der vorhandenen Gegebenheiten, zum Erkennen der persönlichen Vorteile, die in der Wissensarbeit liegen.

Wenn WissensarbeiterInnen dann auf diese Weise ihr PsyCap aufgebaut haben, sich selbst wieder als das sehen, was sie sind, nämlich privilegiert im Vergleich zu anderen Arten von Arbeitskräften, ausgestattet mit interessanten, kreativen Arbeitsinhalten, viel Arbeitsautonomie, einem hohen Arbeitslohn und umgeben von einem Netzwerk höchst motivierender, spannender KollegInnen, dann erst können sie tatsächlich den Studien gerecht werden, die sie als die gesünderen, glücklicheren Arbeiter identifiziert haben. Denn erst dann wird das zuvor möglicherweise empfundene Gefühl der Selbstausbeutung in der Arbeit zu einem Wissen um die Selbstverwirklichung durch die Arbeit in der Wissensindustrie.

Zum Nachlesen: I. Brinkley et al., 2010: Is Knowledge Work Better For Us? Knowledge workers, good work and wellbeing. G. Hube , Dissertation, 2005: Beitrag zur Beschreibung und Analyse von Wissensarbeit L. M. McCracken, Su-Yin Yang: A Contextual Cognitive-Behavioral Analysis of Rehabilitation Workers’Health and Well-Being: Influences of Acceptance, Mindfulness, and Values-Based Action. Rehabilitation Psychology 2008, Vol. 53, No. 4, 479–485 J.P. Foreyt, W.S. C. Poston II: Reducing Risk for Cardiovascular Disease. Psychotherapy Volume 33/Winter 1996/Number 4, 576 – 586 J. B. Avey, Fred Luthans, Ronda M. Smith, and Noel F. Palmer: Impact of Positive Psychological Capital on Employee Well-Being Over Time. Journal of Occupational Health Psychology 2010, Vol. 15, No. 1, 17–28 Sabir I. Giga, Cary L. Cooper, and Brian Faragher: The Development of a Framework for a Comprehensive Approach to Stress Management Interventions at Work. International Journal of Stress Management, 2003, Vol. 10, No. 4, 280–296 F. W. Bond and David Bunce: Mediators of Change in Emotion-Focused and Problem-Focused Worksite Stress Management Interventions. Journal of Occupational Health Psychology, 2000, Vol. 5, No. 1,156-163

http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2005/2426/pdf/Diss_Hube_Wissensarbeit.pdf

http://www.business-doctors.at/images_dokumente/Burnoutstudie%20Short%20Summary%202.pdf

http://www.kardiopsychologie.eu/page10.html

 http://www.kardiopsychologie.at/reha.pdf

Social Media ist nichts anderes als die Fortführung des Bassenatratsches

Admin 23. April 2010

Digital natives sind mit digitalen Techniken aufgewachsen, beherrschen Multitasking, das Spiel mit Szenarien und Identitäten, sind weltoffen, multikulturell und wenig traditions- und hierarchiegebunden, sie spielen am Klavier der virtuellen Teams und gehen mit einem neuen dialogischen Selbstverständnis an Humanressourceverantwortliche heran. Hilfe zum personalisierten Umgang mit Facebook bietet Microsoft docs http://docs.com mit Facebook-Office. Näheres unter:  http://www.facebook.com/f8

Microsoft bringt Docs für Freunde auf Facebook

Außerdem veröffentlicht Facebook eine Reihe von “Social Plug-ins”. Dazu zählt beispielsweise ein “Like”-Button und “Activity Feed”, der dem Unternehmen zufolge in nächster Zeit auf diversen Medien-Webseiten. Laut der von Monster durchgeführten Studie “Recruitingtrends 2010″ nutzen nur 22,2% die Netzwerkplattform Xing um Kandidaten für Jobsausschreibungen zu gewinnen, ein Nachholbedarf bei den Web 2.0 Anwendungen wurde mit 13,2% mit hoher Bedeutung geortet.

Vom Headhunter zum Webhunter

Admin 20. April 2010

Gutes Recruting braucht einen geschickten Medienmixzwischen Onlinepräsenz und Printpräsenz. Das Schalten von Personalinseraten hat bereits lange Tradition und viel Übung, die wichtigsten Kriterien wie Firmenprofil und Firmenimage, Kreativität, Glaubwürdigkeit und Authenizität in Textierung, Gestaltung und gutes Layout, Sorgfalt in der Beschreibung von Einsatzgebiet und Job. In der Onlinepräsenz sind zusätzlich noch andere Kriterien entscheidend.

Bewerberfreundliche Website, Standardisierte Prozesse und die Verwendung von e-recruting Tools sind bereits gut umgesetzt. Ausbaufähig sind allerdings die Bereiche social networks wie Xing, LinkedIN, Facebook, e-assessment, podcasts, Rss Feeds, Blogs, mobile Recruiting und Wikis. Dies geht aus einer aktuellen Deloittestudie hervor. Um modern und strategisch Personalsuche zu betreiben, verwenden bereits 55% der Unternehmen bewerberfreundliche Websiten und Standardisierte Recruitmentprozesse. E-recruitingtools findet bereits mit 24% ihren Einsatz und werdcen bereits zu 18% strategisch entwickelt und geplant. Das Thema e-assessment wird erst zu 6% verwendet, würde aber einen hohen Kostennutzen, Vergleichbarkeitsvorteile und eine höhere Auswahlmöglichkeit für die Unternehmen und Bewerber bedeuten. Eigene Podcasts werden lediglich zu 4% produziert. Angebote mit RSS Feeds und Blogs oder mobilerecruting (SMS) oder Wikis sind jeweils im Bereich von unter 3 Prozent vertreten. Einige erfolgreiche HR Blogger finden wir bereits unter absolventa, berufebilder, bewerberblog, blogaboutjob, digital employer branding, Faktor Talent, JOBlog, Talential Blog, Recruiters´s Corner, Personalmarketing Blog, jobtweet Blog. Dieser Bereich wird immer bedeutender für Personalisten und Headhunter und eine neue HR Fundgrube, die im War for Talent einen Vorteil verschaffen kann. Näheres zu den Ergebnissen unter:

https://www.deloitte.com/view/de_AT/at/dienstleistungen/humancapital/recruitingservices/eaeec4a59a077210VgnVCM100000ba42f00aRCRD.htm

Ohne Spaß bei der Wissensarbeit gibt es keine neue Ideen

Admin 17. August 2009

, Wissensarbeit, Kreativität. Jede Form der Wissensarbeit ist immer kreativ. Experten schätzen, auch wenn bei der Aufgabenerfüllung noch so viele IT-gestützte Werkzeuge verwendet werden, den Anteil der Kreativität für die Lösung von Aufgabenstellungen auf durchschnittlich 30 %. Wer hier keinen Spaß bei der Wissensarbeit hat, wird in der Hamsterradfalle der monotonen Abarbeitung von Informationsbergen stecken bleiben. Spaß im Team und mit der eigenen Arbeit schafft eine positive Atmosphäre in der neue Ideen und Gedanken erst entstehen können.

Die Komplexität für die Lösung von Aufgaben in einer vernetzten Wirtschaftswelt ist extrem hoch und nimmt stetig zu. Aus dieser Perspektive ist es geradezu notwendig, mit dem Rohstoff Wissen „spielerisch“ umzugehen. Wissen muss fließen können, wenn am Ende des Tages Innovationen und Lösungen für komplexe Probleme entstehen sollen. Dieser spielerische Umgang erfordert kreative Räume in Unternehmen, die Inspiration, Lachen, miteinander Dialoge führen auch zulassen. Ein lustiges Video zwischendurch kann mehr inspirieren, als die trockene Lektüre von Fachpublikationen. Ebenso haben die Erfahrungen in Marketingabteilungen gezeigt, dass mit lustigen Spielen (z.B. Innovationsspielen) zwischendurch, schon bessere Ideen entstanden sind, als in „normalen“ Business-Meetings.

Mit einem spielerischen Umgang mit Wissen in einer Organisation ist die Motivation der Mitarbeiter eng verknüpft. Nur motivierte Mitarbeiter geben Ihr Wissen weiter. Je erfolgreicher diese sind, desto mehr sind Sie auch dazu bereit. Frei von Ängsten einen Wissensvorsprung zu verlieren. Die Weitergabe und der Austausch von Wissen kann mit Anreizsystemen – egal ob materiell oder immateriell – verknüpft werden, hat aber seine Grenzen. Die beste Motivation für eine Wissensorganisation ist immer noch die intrinsische Motivation der Wissensmanager selbst. Die Freude zum Objekt „Wissen“ selbst inspiriert, bringt Energie und zieht mit der eigenen Begeisterung andere in den Bann geteiltes Wissen weiter zu entwickeln.

Autor Manfred della Schiava

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