Archiv für das Tag 'Veränderungen'

Generationen in BalanceGenerationbalance

4. August 2011

Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und in den Organisationen werden spätestens ab dem Jahr 2030 deutlich zu spüren zu sein. Während die Zahl der Arbeitnehmer über 45 Jahren stetig zunimmt, sinkt gleichzeitig die Zahl der jüngeren Arbeitnehmer. Man spricht von einer „doppelten Altersschere“, was bedeutet, dass weniger qualifizierte Nachwuchskräfte in ein Unternehmen eintreten, als ältere Arbeitskräfte das Unternehmen verlassen, um in den Ruhestand zu gehen. Im Moment beobachten wir die Verschiebung der Altersstruktur deutlich hin zu den älteren Menschen. Stehen derzeit 22% der Bevölkerung im Alter von 60 und mehr Jahren, so werden es mittelfristig (2020) rund 26% sein, langfristig (ca. ab 2030) sogar mehr als 30%. (Statistik Austria, 2003).

Verschaffen Sie sich ein Bild der aktuellen Situation:  Animierte Bevölkerungspyramide:    http://www.destatis.de/bevoelkerungspyramide/

 

Link zur Weltbevölkerung:  http://www.pdwb.de/

Die Lösung erscheint so einfach:  Ältere Arbeitnehmer sollen länger im Erwerbsleben und ihre Arbeitsfähigkeit so lang wie möglich erhalten bleiben. Die aktuelle Situation in Österreich zeigt, dass das Ausmaß der Erwerbstätigkeit ab dem 50. Lebensjahr zurückgeht (vgl. Statistik Austria, 2011). Gleichermaßen negativ sieht das Bild der Teilnahmequoten älterer Arbeitnehmer an beruflicher Weiterbildung aus: Im Jahr 2004 nahmen in Österreich nur 7% der 50- bis 54-jährigen Arbeitnehmer an beruflicher Weiterbildung teil. Bei der Gruppe der 60- bis 64-jährigen Arbeitnehmer lag dieser Anteil nur noch bei 5% (vgl. OECD, 2005, S. 145).

 

Abbildung: Generationenbalancemodell ©academy4socialskills, ICKModell© MdS Wissensberater

Das Generationenbalancemodell (© Academy4socialskills) postuliert, auf welchen Ebenen einer Organisation Maßnahmen getroffen und Analyseinstrumente eingesetzt werden müssen, um langfristig (ältere) MitarbeiterInnen im Unternehmen zu halten. Ausgehend von der Basisebene, in welcher zunächst die Belegschaftsstrukturen eines Unternehmens analysiert werden müssen, arbeitet es Schritt für Schritt bis zur Spitze der Pyramide – die individuelle Gestaltung  der Arbeitswelt – aus, was getan werden muss, um die Generationen in Balance zu halten.

Themenbereiche, die sich daher jedes Unternehmen überlegen muss, sind:

  • Den Altersschereneffekt – Lebenszyklen und neue Werthaltungen betrachten
  • Die Mythen des Alterns hinterfragen, individuelle und betriebliche Ressourcen sichtbar machen
  • Gegenseitige Wertschätzung zwischen Jung und Alt erreichen
  • Neue Forschungsergebnisse berücksichtigen
  • Lebenslanges Lernen und generationenübergreifenden Wissenstransfer ermöglichen
  • Die Gestaltung des Arbeitsumfeldes, damit die Leistungsfähigkeit der MitarbeiterInnen langfristig erhalten bleibt

 

Vorurteile, Stereotype und Altersdiskriminierung rund um den älteren Mitarbeiter existieren traurigerweise nach wie vor in Unternehmen. Insbesondere herrscht  der Mythos vor, ältere Arbeitnehmer seien  im Lernen langsamer und weniger fähig, neue Ideen zu erfassen (vgl. Warr and Pennington, 1993, S. 95 ff). Genauso, wie Ihnen nachgesagt wird, sie hätten ein geringeres Interesse an Training als ihre jüngeren Arbeitskollegen, beklagen Unternehmen vor allem, dass Ältere Veränderungen gegenüber abgeneigt sind und wenig Motivation gegenüber Lernaktivitäten zeigen (vgl. McNair et al., 2007, S. 23 ff.).

Dequalifikation, fehlende Motivation und das Verlernen der Lernfähigkeit sind aber meist kein Ergebnis des Alterns, sondern entwickeln sich aufgrund defizitärer Arbeits- und Lebensbedingungen.  Die Arbeits- und Lernfähigkeit eines älteren Arbeitnehmers kann erhalten werden.

 

Abbildung:  Erhaltung der Arbeitsfähigkeit  (Academy4socialskills, nach Illmarinen, 2002)

Eine Veränderung setzt bei jenen Faktoren an, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eines älteren Arbeitnehmers haben:  (1) Einstellungen und Werte des älteren Arbeitnehmers, wie etwa die Motivation (2) die Gesundheit und hier insbesondere die Leistungsfähigkeit, (3) Kompetenz, Wissen und Qualifikation sowie (4) die Arbeitsgestaltung, worunter die Arbeitsumgebung, Inhalte und Anforderungen fallen.

Allerdings ist zu beachten: Die Maßnahmen zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiter setzen nicht beim Individuum alleine an. Eine Veränderung kann nur erreicht werden, wenn sämtliche betriebliche Ebenen in den Veränderungsprozess miteinbezogen werden. Will man also die Arbeitsfähigkeit von Arbeitnehmern im Allgemeinen erhalten, müssen Maßnahmen auf unterschiedlichsten Ebenen ergriffen werden. Einfluss haben dabei die Organisation (insbesondere die Kultur und die Werte, die gelebt werden) sowie das Verhalten der Management- und Führungsebene, das älteren Mitarbeitern entgegengebracht wird. Nicht unerheblich sind außerdem der Einfluss der Arbeitskollegen und Peers sowie des privaten Umfeldes.

Literatur:

Ilmarinen, J., Tempel, J., (2002): Arbeitsfähigkeit 2010. Was können wir tun, damit Sie gesund bleiben? Hamburg, S. 339.

Warr, P., and Pennington, J. (1993): Views about age discrimination and older workers; In: Age and Employment: Policies and Practices,London: IPM.

McNair, S., Flynn, M. and Dutton, N. (2007): Employer responses to an ageing workforce: a qualitative study; In: Research Report No. 455, Department of Work and Pensions,London; Abrufbar unter: http://research.dwS.gov.uk/asd/asd5/rports2007-2008/rrep455.pdf; Abgefragt am 15.10.2010.

Statistik Austria (2003): Bevölkerungsentwicklung in Österreich; URL: http://www.statistik.at/web_de/presse/033887, abgefragt am 13.07.2011.

Statistik Austria (2011): Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung; Erstellt am 24.03.2011; Abrufbar unter:http://www.statistik.at/web_de/statistiken/arbeitsmarkt/erwerbstaetige/024441.html; Abgefragt am 17.05.2011.

OECD (2005): Aging and Employment Policies. Austria.

Interessante Links:

Arbeit und Alter: Casestudies: http://www.arbeitundalter.at/

 

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Bildungslandkarte – Wie sich Trainings in Zukunft verändern werden

5. August 2010

Das Institut für technologische Zukunftsforschung (IPTS) veröffentlichte vor Kurzem einen Bericht mit dem Titel „Kartierung der großen Veränderungen in Erziehung und Bildung bis 2025“.

Inhalt dieser Studie war die Identifizierung, Gruppierung und Bewertung der Hauptveränderungen im Bereich Erziehung und Bildung, welche in den nächsten 20 Jahren zu erwarten sind. Die Ergebnisse der Studie resultieren aus einer strukturierten und zielgerichteten Expertenkonsultation.

Dieser intensive Prozess beinhaltete eine Fokusgruppe, bestehend aus 13 Experten, welche insgesamt 203 mögliche Veränderungen der nächsten 20 Jahre eruierten. Der nächste Schritt bestand für jeden Einzelnen darin, die vorhergesehenen Änderungen sowohl auf ihre Wichtigkeit als auch auf Ihre Wahrscheinlichkeit hin zu beurteilen.

Die dadurch erhaltene Datenmenge wurde anschließend zusammengetragen und analysiert. Zur bildlichen Darstellung der entstandenen Strukturen in den Daten, wurden multidimensionale Skalierungen und eine hierarchische Clusteranalyse durchgeführt. Basierend auf der Klassifizierung der Experten trug man jedes Statement bezüglich Veränderung auf einer Karte ein, wodurch dessen Nähe bzw. Distanz zu den anderen Statements veranschaulicht wurde.

Ausgehend von ihrer Position fasste man die einzelnen Änderungsannahmen zu  12 Gruppen zusammen. Diese 12 Cluster waren thematisch geordnet und beinhalteten jene Hauptveränderungen, welche die Experten im Laufe der nächsten 20 Jahren erwarten. Die 12 Themenfelder sind:

Technologie und Bildung; Handwerkszeuge und Angebote für verbessertes Lernen; Offene Bildung und Ressourcen; Beurteilung, Akkreditierung und Qualifizierungen; Globalisierung von Bildung; die Rolle der Institutionen; individuelle und berufsorientierte Bildung; die Rolle des Lehrers; lebenslanges Lernen; Wandel von formaler zu informaler Bildung; die individuelle und soziale Natur des Lernens; sowie erkenntnistheoretische und ontologische Grundlagen pädagogischer Methoden.

Einige Cluster sind dabei eher technikorientiert, wie etwa „Technologie und Bildung“ und „Handwerkszeuge und Angebote für verbessertes Lernen“. „Offene Bildung und Ressourcen“ schlägt die Brücke zwischen den technikorientierten Clusters und den Clusters „Globalisierung von Bildung“ und „Beurteilung, Akkreditierung und Qualifizierungen“. Dies indiziert die Annahme der Experten, dass Technologie den Zugang zu Bildung und Bildungsressourcen schafft. Die Gruppen „Rolle der Institutionen“, „individuelle und berufsorientierte Bildung“ , „die Rolle des Lehrers“ sowie „Wandel von formaler zu informaler Bildung“ zeigen eine Verschiebung auf: die Verantwortung für die Erlangung von Kompetenzen wird sich nach Meinung der Experten von der institutionellen auf die individuelle Ebene verlagern. „Die individuelle und soziale Natur des Lernens“ und „erkenntnistheoretische und ontologische Grundlagen pädagogischer Methoden“ sind lernorientierte Cluster.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die durch diese Gruppierungen zu Tage gefördert wurden, ist die zentrale Rolle des „lebenslangen Lernens“.  Dieses Cluster stellt den Verbindungspunkt für alle anderen Cluster dar. Somit liegt die Vermutung nahe, dass zukünftige Veränderungen bezüglich Lernen, Bildung und Training mit lebenslanger und kontinuierlicher Kompetenzaneignung einhergehen.

Der letzte Schritt der Gruppenkonzept-Kartierung bestand darin, die Änderungserwartungen bezüglich Wichtigkeit und Wahrscheinlichkeit zu überprüfen. Dies geschah ausgehend von der Annahme, dass folgende Veränderungen dabei von besonderer Bedeutung seien:

  • Die Natur des Lernens wird individueller und zugleich sozialer
  • Maßgenschneiderte Lernmöglichkeiten werden sich dem individuellen und professionellen Trainingsbedarf annehmen
  • Innovative pädagogische Konzepte werden entwickelt und eingeführt, welche sich an empirisches Lernen und soziale sowie kognitive Prozesse richten.
  • Formale Bildungsinstitutionen müssen flexibel und dynamisch auf die Veränderungen reagieren. Zudem sollen sie Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten, die sich in den Alltag integrieren lassen.
  • Bildung und Training muss für alle erreichbar und zugänglich sein

Beim Vergleich der Cluster im Hinblick auf Wichtigkeit und Wahrscheinlichkeit zeigte sich ein Ungleichgewicht: Während die Experten optimistisch sind was technologisch unterstützte Weiterbildungsmöglichkeiten anbelangt, herrscht Skepsis bezüglich der Umsetzbarkeit von personenzentrierten Lernansätzen in formalen Bildungsstätten.

Generell wird bezweifelt, dass die formalen Bildungssysteme mit den Veränderungen Schritt halten können und über genügend Flexibilität und Dynamik verfügen um sich diesen anzupassen.

Links: http://ftp.jrc.es/EURdoc/JRC59079_TN.pdf

         http://ipts.jrc.ec.europa.eu/

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